Jahresausflug des Fördervereins für Stadtgeschichte e.V. – Das Domstiftsarchiv Merseburg und die Urkunde der Ersterwähnung von Neustadt an der Orla aus dem Jahr 1291
Der diesjährige Vereinsausflug des Fördervereins für Stadtgeschichte e.V. führte die Mitglieder im Mai in die alte Dom- und Kaiserstadt Merseburg. Schon bei der Ankunft beeindruckte die geschichtsträchtige Stadt an der Saale mit ihren zahlreichen historischen Bauwerken und ihrer engen Verbindung zur mittelalterlichen Geschichte Mitteldeutschlands.
Vor dem Eingang des Domes wurden die Vereinsmitglieder von Markus Cottin, dem Leiter des Domstiftsarchivs und der -bibliothek, herzlich empfangen. Höhepunkte des Tages, den Vereinsmitglied Alfred Engelmann initiiert und sehr engagiert vorbereitet hatte, waren eine Domführung und der Besuch des bedeutenden Domstiftsarchivs.
Im Mittelpunkt der Führung stand zunächst die Geschichte des Merseburger Doms, die Herr Cottin mit großer Fachkenntnis beschrieb. Der Dom wurde im 11. Jahrhundert unter Kaiser Heinrich II. errichtet, der das Bistum Merseburg erneut begründete und die Stadt zu einem bedeutenden kirchlichen Zentrum des Reiches aufbaute. Mit seinen mächtigen Türmen und der eindrucksvollen Architektur zählt der Dom heute zu den bedeutendsten romanischen Bauwerken in Mitteldeutschland.
Besonders gespannt verfolgten die Neustädter Besucher den Ausführungen des Archivleiters, als er den wertvollen mittelalterlichen Bestand im Domstiftsarchiv erläuterte und den Vereinsmitgliedern eine Urkunde aus dem Jahr 1291 präsentierte, die als wichtiges Zeugnis für die Ersterwähnung der Stadt Neustadt an der Orla gilt. Neustadt kann auf zwei frühe Urkunden ihrer frühen Erwähnung zurückblicken, auf eine Urkunde aus dem Jahr 1287 und auf jene vier Jahre jüngere Urkunde, die im Merseburger Archiv aufbewahrt wird. In der Urkunde von 1291, die eine eindeutige und zweifelsfreie Zuordnung zu Neustadt an der Orla aufgrund der gleichzeitigen Nennung der Burg Arnshaugk möglich macht, wurde u.a. schriftlich festgehalten, dass der Thüringer Landgraf Albrecht der Entartete „castrum Arnshauge et civitatem dictam Nuenstat“ an den Bischof von Merseburg verpfändet hatte.
Für Herrn Cottin und für die Vereinsmitglieder war der Besuch ein besonderes Zusammentreffen, denn der Förderverein konnte sich zurückliegend bei der Restaurierung der Urkunde von 1291, bei der leider bereits ein Siegel fehlte und ein zweites unvollständig war, bedeutend einbringen. Im August 2024 hatte sich das Domstiftsarchiv an den Förderverein gewandt und um Unterstützung gebeten. Die Kosten für die Restaurierung hatte der Förderverein für Stadtgeschichte e.V. daraufhin vollständig übernommen, damit die Urkunde auch weiterhin sicher aufbewahrt und zu Forschungszwecken genutzt werden kann.
Ein besonderer Dank des Fördervereins galt dem Leiter des Domstiftsarchivs, der die Neustädter mit viel Engagement durch den Dom und das Archiv führte. Mit anschaulichen Erläuterungen verstand er es, die Geschichte des Merseburger Doms und die Bedeutung der historischen Dokumente lebendig werden zu lassen. Die Teilnehmer erhielten dadurch einen eindrucksvollen Einblick in die Arbeit des Archivs und in die Bewahrung wertvoller Zeugnisse der Vergangenheit. Die Vereinsmitglieder zeigten sich beeindruckt davon, mit welcher Sorgfalt die historischen Dokumente im Archiv behandelt werden. Die Präsentation machte deutlich, wie eng regionale Geschichte, kirchliche Überlieferung und die Entwicklung von Städten miteinander verbunden sind.
Nach dem Besuch des Archivs erfreuten sich die Mitglieder an einem Orgelkonzert im Dom. An der prächtigen Lagegast-Orgel spielte Denny Wilke, Stadtorganist aus Mühlhausen, besonders stimmgewaltig. Mit vielen neuen Eindrücken und einem vertieften Verständnis für die Bedeutung historischer Quellen traten die Teilnehmer schließlich die Heimfahrt nach Neustadt an der Orla an. Eine hoch aufgelöste digitale Aufnahme der wertvollen restaurierten Urkunde bereichert künftig die Bestände des Neustädter Stadtarchivs. Es ist ein weiterer wichtiger Beitrag des Fördervereins für Stadtgeschichte für das kulturelle Erbe und das historische Selbstverständnis unserer Stadt.
Stephan Umbach


